Stürzen ist lernbar

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Benita Cantieni
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Re: Stürzen ist lernbar

Beitrag von Benita Cantieni »

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Benita Cantieni
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Stürzen ist lernbar

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CANTIENICA® Körper in Evolution schützt auch vor Dummheit.
Und: Stürzende soll man nicht aufhalten.


In eigener Sache sozusagen.

Ich bin mit einer Freundin im Hürlimann Spa in Zürich. Es ist Samstag Mittag und entsprechend viel los. Dampfbad, Sprudelbad. Ganzkörperpackung. Allein im grossen Bassin, während die Freundin massiert wird. „Darf ich Sie malen?“, fragt ein junger Mann. „Das wollen Sie nicht wirklich, wenn Sie mich bei Tageslicht sehen“, antworte ich. „Ich sehe Ihre Aura, die ist sehr schön“. Er stellt sich vor, Giuseppe, mein Alter will er mir nicht glauben, „55, höchstens.“ „Das macht das Licht hier.“

Ich finde die romantische Anmache in Zeiten von Tiktok und Co. kurios, verziehe mich in eine Ecke, trainiere im Wasser. Die Freundin kommt, ist massiert, schwärmt von den zarten Händen der Masseurin.

Wir machen eine Runde durch das römisch-irische Bad. Dann noch eine. Ich lese, dass ich im letzten Becken schwimmen darf. Das Becken ist leer. Ich hole aus, köstlich, steige aus dem Bassin, fühle mich unbesiegbar, will mich am Geländer hochstemmen für ein bisschen Barrenturnen. Das Geländer ist nass. Meine Hände sind nass. Das Geländer fällt steil ab. Ich auch, wumms in der Luft. Ich bin im Zeitloch, das meine Körperintelligenz hinter meiner gerade übermäßigen Dummheit besitzt: Kopf hoch halten, nicht mit der Wirbelsäule auf die scharfen Stufenkanten aus Stein, der kluge Körper dreht sich ab nach links, die Rumpfmitte donnert auf Stufenkante, der Popo auch, Beschreiben braucht Zeit. In Echtzeit geht es um Sekunden.

Ich liege vor der Treppe auf dem Steinboden, die Freundin legt ihre Hand auf meinen Leib, „nicht berühren“, höre ich mich laut und deutlich sagen. Der Körper dehnt sich durch den Schmerz, er macht Diagonalen, so oft geübt, und jetzt im Ernstfall sind sie einfach da, machen sich selbst.

Die Freundin ist Ärztin. Wir haben beide, entgegen unseren Gewohnheiten, kein Notfall-Arnika dabei. Es gibt auch keine Schmerzmittel im Notfallrucksack des Spa, doch ist der Coach, wie er sich nennt, sehr nett. Wir beraten, ob wir in ein Spital in den Notfall gehen sollen, zum Checken. Nein, es ist nichts gebrochen. Die Wirbelsäule hat sich selbst geschützt. Die Niere ist beleidigt durch den Aufprall. „Die Niere hat ein Fettpolster,“ sagt die Freundin Ärztin pragmatisch, „sie wird dir den Sturz verzeihen.“

Die Freundin bestätigt: Sie sah fasziniert, wie ich mich in der Luft nach links drehte, wie ich den Kopf mit aller Kraft hoch hielt.

Sie fotografiert in der Garderobe die Schürfung am Rücken. Der linke Ellbogen läuft schon blau an, und ich stelle begeistert fest, dass der Ellbogen sich so gedreht hat, dass er nicht auf das Gelenk krachte.

Anziehen, Taxi, unterwegs in einer Apotheke Schmerzmittel besorgen, nach Hause.

Zehn Stunden Schlaf und zwei Stunden ultrasanftes Training – vor allem für den Nacken, der den Kopf vor dem Aufprall schützte. Da ist grosses Wundweh, die linke Seite entwickelt blaue Flecken. Alle Gelenke funktionieren, die Wirbelsäule freut sich über meine Zuwendung. Am Tag nach dem Sturz kann ich einmal mehr und mit Gewissheit sagen: Regelmässiges, gutes Training schützt.

Ja, ich schütze mich durch diszipliniertes, konsequentes Training auch vor meiner Dummheit. „Übermut“, sagt die Freundin, „es war Übermut“. Sie sagt auch: „Das war ein schwerer Sturz. Ohne deine Haltung und deine Kraft hättest du dich schwer verletzt.“

Ich danke ihr dafür, dass sie beim Sturz nur zusah und nicht eingriff. Denn das hätte den Körper im Selbstschutz gestört. Wir diskutieren lange, denn ich bin aus Erfahrungen, eigenen und den Erfahrungen anderer, überzeugt: Stürzende soll man nicht aufhalten. Geht fast immer schief, verschlimmert das Fallen, stört den Selbstschutz des fallenden Körpers.

Sinnvolles Training schützt deinen Körper und dich. In jedem Alter.
Vor allem im Alter.

Just. So. It.

Frohe Weihnachtszeit und herzlich, BC
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